TERMINE FÖRDERVEREIN ANFAHRT IMPRESSUM KONTAKTDATENSCHUTZ
 
 
ZURÜCK ZU
AKTIVITÄTEN UND
PRESSEBERICHTE

Sich aktiv eine Meinung bilden
Zum Start der neuen ZeusKids-Runde raschelt in den Klassen das Zeitungspapier

NRZ / WAZ · zeuskids · 18.09.2014

Von Kerstin Wördehoff


Auch wenn ZeusKids in der Essener Ludgerusschule gerade erst an den Start geht:
Die Zeitung ist für die Schüler der Klasse 4a längst nichts Neues mehr.
Trotzdem können sie von den vielen spannenden Berichten aus Tageszeitung
und Nachrichtenmagazin für Schüler nicht genug bekommen.     
Foto: Kerstin Wördehoff

Essen. Da liegt er nun auf dem Regal in der Mitte der Klasse, der Stapel Tageszeitungen. Mit ihm sollen die Schüler der Klasse 4a der Ludgerusschule aus Essen im Rahmen des ZeusKids-Projekts nun die Welt der Nachrichten auch im Unterricht kennenlernen. Dass ihnen diese nicht unbekannt ist, wird schnell klar. „Wenn ich zu meiner Oma fahre, liegen auf dem Sofa immer ganz viele Zeitungen. Von denen nehme ich mir eine und schaue, was so in der Welt passiert ist“, erklärt Viertklässlerin Charlotte fachmännisch.

Auch aus ihren Klassenkameraden sprudeln die Geschichten über die Zeitungen heraus, die die Eltern oder Großeltern zuhause auf dem Tisch liegen haben. „Samstags bin ich immer der Erste, der die Zeitung aus dem Briefkasten holt“, weiß Moritz zu berichten. „Mein Bruder liest auch im Internet Nachrichten, wenn die Zeitung gerade nicht da ist“, erzählt Kareem, um zu zeigen, dass es auch noch an­dere Möglichkeiten gibt, zu erfahren, was so alles in der Welt passiert. Viertklässler Nick gibt sich dann aber kritisch: „Man sollte aber trotzdem nicht immer allen Nachrichten glauben. Der Aprilscherz von der Kuh, der in der Zeitung stand, der war Quatsch.“

Lehrerin Silke Hagenhoff nickt und lächelt. ZeusKids gibt ihr die Möglichkeit, sich gemeinsam mit ihren Schülern kritisch mit der Nachrichtenflut auseinanderzusetzen. Aktives Lesen statt sich pas­siv „berieseln lassen“, so beschreibt sie den Unterschied zwischen dem Nachrichtenkonsum durch eine Tageszeitung statt durchs Internet oder Fernsehen.

Im Unterricht kann sie durch ZeusKids ihren Schülern noch intensiver den Wert eines unabhängigen und wertneutralen Mediums wie der Zeitung näher bringen, Texte von den Kindern nicht nur lesen, sondern auch eine Meinung zum Thema formulieren lassen. Sie aufmerksamer für die Dinge werden lassen, die sie umgeben. „Eigentlich habe ich von dem schlimmen Unwetter vor ein paar Monaten nichts mitbekommen, weil ich schon im Bett geschlafen hatte. Dann habe ich in der Zeitung einen Artikel darüber gelesen, weil ich wissen wollte, was passiert ist“, sagt Rike. Klassenkameradin Nele fügt hinzu: „Jedes Kind sollte Zeitung lesen und was daraus lernen.“
 
Unvoreingenommen an Themen Herangehen
Lehrerin Silke Hagenhoff erklärt, was Erwachsene beim Zeitungslesen von Kindern lernen können
Essen. Die Zeitung ist ein Kulturgut, mit «dem Kinder früh in Kontakt kommen sollten, davon ist Silke Hagenhoff, Lehrerin der Klassen 4 a der Ludgerusschule überzeugt. Im Interview erklärt sie, warum ZeusKids ein wichtiges Projekt ist und was Erwachsene dabei noch von Kindern lernen können.

Was macht ZeusKids für den Unter­richt so wertvoll?
Silke Hagenhoff: Mit dem Projekt kann ich die Kinder im Unterricht an unabhängige Nachrichten  heran­führen. Zeitung spielt bei uns schon ab der 1. Klasse eine große Rolle. Seit dem ersten Schultag hängt die Kin­derseite der Tageszeitung an der Tür des Klassenraums. So lernen die Schüler sofort das Medium Zeitung kennen und können sich Stück für Stück der The­matik nähern. Zu Beginn schauen sie sich natürlich erst einmal nur die Bilder an. Dann die Überschriften. Mitt­lerweile lesen sie interessiert die Artikel.

In unserer digitalen Welt findet das Internet als Übermittler von Nachrichten häufig mehr Beachtung als die Tageszeitung. Warum ist die Zeitung trotzdem immer noch wichtig?

Ich lese sie jeden morgen vor der Schule beim Frühstück, sie gehörte für mich schon immer dazu. Zeitung ist Kulturgut: Dies ist ein Wert, den einige Kinder nicht mehr haben und den es mir wichtig ist, zu vermitteln. Für die Zeitung muss ich mir Zeit nehmen. Es geht im Gegensatz zum Internet oder Fernsehen nicht darum, sich inaktiv berieseln zu lassen. Eine Zeitung muss ich aktiv lesen und mich mit ihren Texten auseinandersetzen. Ich muss mir zu einem Thema eine Meinung bilden. Um Kindern das im Unterricht zu vermitteln, lasse ich sie Kommentare zu den Artikeln verfassen, die sie sich selbst, je nach eigenem Interesse, zuvor aus der Zeitung ausgesucht haben. Mir geht es darum, dass die Schüler nicht nur einen Bericht lesen, sondern zu diesem sofort eine eigene Meinung formulieren.

Kinder haben oft eine andere Sicht auf die Dinge als Erwachsene. Voi diesem Hintergrund: Was könner Erwachsene in punkto Tageszeitung von Kindern lernen?
Deren Interesse auf breiter Fläche Kinder sind thematisch nicht so festgelegt wie Erwachsene, sie interessieren sich eigentlich für alles. In meiner Klasse zeigen sie selbst für ein so spezielles Thema wie Karstadt Interesse. Kinder gehen an Themen vollkommen unvoreingenommen heran. Diese haben Erwachsene oft verloren. Das ist definitiv etwas, das sie beim Zeitunglesen von Kindern lernen können.

Mit Silke Hagenhoff sprach Kerstin Wördehoff